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Zukunftswerkstatt
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Kurzbeschreibung
Die Zukunftswerkstatt ist eine Methode, um Menschen zu helfen, kreativ nach neuen Lösungen für anstehende Probleme zu suchen. Sie wird vom Moderator nur methodisch, nicht aber inhaltlich angeleitet und folgt einem vorgegebenen Ablauf mit dem Dreischritt: Kritikphase, Utopiephase, Verwirklichungsphase.

Ausführliche Darstellung
Die Zukunftswerkstatt wurde Ende der sechziger Jahre von Robert Jungk und Norbert R. Müllert entwickelt. Ihr Ziel ist es, Beteiligte zu Betroffenen zu machen und sie zur selbständigen und kreativen Lösung anstehender Probleme zu bewegen. Die Teilnehmer gehen daran, vor Ort und ohne die zuständigen Politiker, Experten und Planer ihre Fragen und Probleme zu bearbeiten. Aus der Analyse des gegenwärtigen Zusatndes werden Ideen für eine wünschenswerte Zukunft entwickelt und auf ihre Umsetzbarkeit hin überprüft.

Die Zukunftswerkstatt ist zunächst eine politische Methode, um Beteiligte zu Betroffene zu machen. Ausgangspunkt ist der Wunsch nach Demokratisierung von Entscheidungen. Ein Beispiel von Robert Jungk selbst: Eine Hausfrau ist in eine neue Wohnung mit zu kleiner Küche gezogen und beklagt sich: Das kann doch nur ein Mann geplant haben. Jede spätere Benutzerin hätte gewusst, dass man in einer solchen Sardinenbüchse nicht arbeiten kann! Aber uns fragt ja keiner!

Ziel von Zukunftswerkstätten ist es also, Bürger in die Entscheidungsfindung mit einzubeziehen, ihnen Mut zu machen und zu zeigen, dass sie durchaus auch über große Ziele mitreden können. Die Erfahrungen und die Wünsche jedes einzelnen Menschen und die daraus erwachsenenden Wünsche sind für die Gestaltung der Zukunft wichtig. So sollen Zukunftswerkstätten soziale Phantasie wecken und dadurch die gesellschaftlichen Beharrungskräfte aufweichen.

Erst in zweiter Linie ist die Zukunftswerkstatt eine Bildungsmethode. Dennoch kann sie auch im Bildungswesen wertvolle Dienste leisten.

Die in Zukunftswerkstätten erarbeiteten Problemlösungen können in vielen Zusammenhängen Anwendung finden: Sie bieten Problemlösungen für Betriebe, Ämter, Kommunen, Bürgerinitiativen; sie helfen Familien und Einzelnen beim Entwerfen von Zukunftsplänen und -perspektiven.

Einsatzmöglichkeiten:
1. Als Hilfe bei der Lösung von Problemen einer Gruppe/Organisation
2. Zur Entwicklung von Projektideen
3. Um kritisch und phantasievoll Probleme und Themen zu bearbeiten, die die Teilnehmer unmittelbar angehen

Ablaufübersicht:
Eine Zukunftswerkstatt besteht neben einer Nullphase aus einem dialektischen Dreischritt:
1. einer Beschwerde- und Kritikphase (These)
2. einer Phantasie- und Utopiephase (Antithese)
3. sowie einer Verwirklichungs- und Praxisphase (Synthese)

Die letzte Phase kann in Bildungsveranstaltungen bei Zeitnot eventuell entfallen.
Jede der drei Phasen ist wiederum unterteilt in zwei kleinere Stufen:
1. Sammeln bzw. Öffnen und
2. Auswählen bzw. Einengen.

Vorbereitungsphase:
0. Themenankündigung, Werkstattort, Arbeitsmaterialien, Einführung in die Arbeitsweise;

1. Beschwerde- und Kritikphase:
In der Gruppe wird Kritik an den gegenwärtigen Zuständen geäußert und in Stichworten auf Papierbögen geschrieben; aus der entstandenen Kritiksammlung wird das Wichtigste ausgewählt und zu Krtitkthemenkreisen oder -aussagen verdichtet.

2. Phantasie- und Utopiephase:
Im Brainstormingverfahren werden zum Kritikergebnis Lösungen, Vorschläge, Ideen auf Papierbögen gesammelt und in Phantasiethemenkreisen oder utopischen Entwürfen präzisiert.

3. Verwirklichungs- und Praxisphase:
Die vorgeschlagenen Lösungsideen werden einer kritischen Prüfung unterzogen und ihre Durchsetzungschancen abgeschätzt; es werden Verwirklichungsschritte für eine Aktion oder ein Projekt erarbeitet.

Nachbereitungsphase:
ein Protokoll wird erstellt, die Ergebnisse verbreitet und ggf. ein "reales" Projekt angegangen.

Zeitlicher Rahmen:
JUNGK/MÜLLERT geben als ideale Werkstattzeit drei Tage an, so dass für jede Phase eine Tag zur Verfügung steht. Es sind jedoch sowohl längere als auch kürzere Werkstätten möglich. Jeder Hauptschritt sollte jedoch mindestens eine Stunde dauern. In den Kleingruppen wird maximal 20 Minuten gearbeitet, im Plenum wird nicht diskutiert.
Literatur
Kuhnt, B./Müllert, N. R. (1996): Moderationsfibel Zukunftswerkstätten. Münster: Ökotopia Verlag:
Einführung
Alsheimer, M./Müller, U./Papenkort, U. (1996): Spielend Kurse planen. Die Methodenkartothek (nicht nur) für die Erwachsenenbildung. München: Lexika:
Überblick
Internet-Links
Internetlink Trendletter
http://www.trendletter.de
Nicht direkt auf die Methode bezogen; Der Informationsdienst bietet jedoch vielfältige Informationen, für alle, die sich mit Zukunftstrends in Wirtschaft, Management, Marketing, Technologie und Gesellschaft befassen. U.a Links zu Instituten.
Allgemeines
Internetlink Zukunftswerkstatt-Netzt
http://www.zwnetz.de
Ein umfangreiches Angebot mit dem Ziel, Zukunftwerkstätten zu vernetzen. U.a.: Jahrestreffen der Zukunftswerkstätten
Praxisbeispiele
Internetlink Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen
http://www.jungk-bibliothek.at
Homepage der Robert-Jungk-Bibliothek mit zahlreichen Seminarangeboten, Literaturtipps, etc.
Unternehmen
Internetlink Zukunftsletter
http://www.2000x.de/
Wie der "Trendletter" ist auch "Zukunftsletter" ein Informationsdienst aus dem Verlag für die deutsche Wirtschaft. Er informiert über Entwicklungen in Zukunftsmärkten.

Unternehmen
Internetlink Prof. O.A. Burow, Uni Kassel
http://www.uni-kassel.de/fb1/burow/Startseite.html
Prof. O.A. Burow an der Universität Kassel (Allgemeine Pädagogik) befasst sich intensiv mit innovativen Formen der Großgruppenmoderation. Auf seinen Seiten finden sich Texte, Links und Literatur zur Zukunftswerkstatt.
Wissenschaftliche Beiträge
Praxisbeispiel
Zwei Beispiele für eigene Projekte:

Umweltbildung in der Region Eichstätt
Eine Zukunftswerkstatt am Informationszentrum Naturpark Altmühltal.

Umweltbildner aus dem Landkreis Eichstätt sammelten Kritikpunkte zur Situation der Umweltbildung im Kreis Eichstätt und sammelten Ideen für die künftige Zusammenarbeit und weiterführende gemeinsame Projekte.
Moderation: Dr. Ulrich Müller

Ökologie in der Gemeinschaft
Eine Zukunftswerkstatt für eine Dekanatssysnode.

Evangelische Kirchenvorstände entwickelten Perspektiven für den ökologischen Umbau ihrer Gemeinden.
In der Kritikphase wurden zunächst gesammelt, wie Gemeinden zur Umweltbelastung und -zerstörung beitragen.
In der Phantasiephase wurde großflächig das Bild eines Hauses (symbolisch für die Gemeinde) gemalt: begrünt, mit Solaranlagen bestückt, von einem blühenden Garten umgeben... Wo nötig wurden die Bilder mit Stichworten ergänzt.
In der Verwirklichungsphase prüften Kleingruppen, die sich jeweils einem thematischen Teilbereich zuwendeten, welche der Vorschläge aus der gemeinsamen Utopie sich tatsächlich realisieren ließen. Sie fertigten Plakate an, auf denen die konkret umsetzbaren Vorschläge verzeichnet waren. Diese Plakate wurden später zusammengefasst und als Protokoll versandt.
Moderation: Dr. Ulrich Müller
Leitfaden
In den Büchern zur Zukunftswerkstatt finden sich ausführliche Leitfäden für verschiedenste Werkstätten. Wir verweisen hier auf die Originalliteratur.
Autoren 30.05.2008 - Ulrich Papenkort / Ulrich Müller
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