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Kollegiale Beratung
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So gehts So geht's: Praxisbeispiel | Leitfaden

Kurzbeschreibung
Ein Verfahren zur Moderation eines berufsbezogenen Selbsthilfeprozesses. Eine Gruppe von Teilnehmern (z.B.: Führungskräfte, Trainer ...) trifft sich zu mehreren Sitzungen um gemeinsam ihre berufliche Situation zu reflektieren und sich gegenseitig (meist auf der Grundlage von "Fällen")zu beraten und zu unterstützen (z.B. durch die gemeinsame Suche nach Lösungsmöglichkeiten für schwierige Situationen).

Ausführliche Darstellung
Andere Bezeichnungen bzw. Varianten: Kollegiale Supervision, Kollegiale Praxisbegleitung

An den Wortbestandteilen "kollegial" und "Beratung" läßt sich in einer ersten Näherung der grundlegende Ansatz zeigen:
"Kollegial": das bedeutet gegenseitige Unterstützung, Gleichberechtigung, ähnlicher Erfahrungshintergrund, kein "Dozent" im klassischen Sinne.
"Beratung": nicht bewertend, beurteilend, kontrollierend, sondern: gemeinsame Reflexion, gemeinsame Lösungssuche.

Kollegiale Beratung ist ein Verfahren praxisnahen bzw. praxisbegleitenden Lernens. Im gemeinsamen Lernprozess werden in hohem Maße die Erfahrungen und Kompetenzen der einzelnen Gruppenmitglieder aktiviert und zur Problemlösung genutzt. Die Methode zielt auf die Weiterentwicklung von Handlungskompetenz und Persönlichkeit.

Abgrenzung zur Supervision
Wie schon die alternativen Bezeichnungen zeigen, ist der Übergang zur Supervision fließend. Als mögliches, wenn auch weiches, Abgrenzungkriterium könnte der Grad an persönlicher Involviertheit dienen. Bei Fällen, die einen bestimmten Belastungsgrad des zu Beratenden übersteigen, die einen hohen Anteil der Beziehungsebene haben, aber auch bei einer engen Verknüpfung mit Prozessen der Team- bzw. organisationsentwicklung sind die Grenzen der Methode erreicht und ist professionelle Supervision gefragt.

Gruppengröße
Zwischen 3- max. 12 Teilnehmern. Bei Gruppen um 10 sollte man sich überlegen, die Gruppe evt. zu teilen oder aber im "Fishbowl" (auch: "Aquarium", "Innenkreis-Aussenkreis") zu arbeiten: 5 oder 6 sitzen im Innenkreis und beraten das Anliegen, die anderen 6 sitzen im Aussenkreis und hören zu (ggf. Beteiligungsmöglichkeit für kurzes Statement auf dem "freien Stuhl"). Nach der Beratung eines Falles Wechsel der Gruppen.

Methoden
In der kollegialen Beratung kann nach einem einfachen Schema vorgegangen werden (s.u.) wobei keine weiteren Methoden eingesetzt werden. In jedem Falle hilfreich ist es allerdings, wenn der Moderator oder ein Co-Moderator mitvisualisiert.
Das Verfahren kann jedoch mit vielen anderen Methoden und Techniken "angereichert" werden. Beispielsweise schlägt Friedemann SCHULZ VON THUN (1996) den Einsatz "erlebnisaktivierender" methoden vor, die er aus dem Bereich Psychodrama bzw. Rollenspiel adaptioert hat. Das Verfahren gewinnt dadurch an Lebendigkeit und es läßt sich auch eine größere Bearbeitungstiefe erreichen.

Moderator
Die kollegiale Beratung muss moderiert werden. Das kann durch einen professionellen (meistens externen) Moderator erfolgen, in vielen Fällen aber auch von einem Gruppenmitglied selbst übernommen werden. Bei letzterer Lösung ist es allerdings oft hilfreich, wenn ein Profi zunächst eine Einführung in die Methode gibt und beispielhaft 2-3 Fälle bz. Anliegen moderiert.
Falls anspruchsvollere Methoden eingesetzt werden, ist jedoch professionelle Moderation unabdingbar.

Zeitbedarf
Für die Beratung eines Falles bzw. Anliegens sollte man einen Zeitbedarf von ca. 60 Minuten (+/-) ansetzen. Der Zeitbedarf hängt natürlich auch von der Gruppengröße ab. 90 Minuten sollten nach Möglichkeit nicht überschritten werden.
Eine Variante kann auch in wesentlich kürzerer Zeit erfolgen: 3-4 Personen bilden eine Gruppe und legen eine "Zeitschiedsrichter" fest. In sehr kurz getackteten und relativ rigide gehandhabten Schritten können ("kleinere") Anliegen so in ca 20-30 Minuten beraten werden. Diese Variante eignet sich auch für den Einsatz in größeren Seminargruppen, in denen die kollegiale Beratung nur einen Baustein unter anderen ausmacht.


Literatur
SCHULZ-VON-THUN, F. (1996): Praxisberatung in Gruppen. Erlebnisaktivierende Methoden mit 20 Fallbeispielen:
Schulz-von-Thun stellt hier Hintergründe, Einsatzmöglichkeiten und Methoden für die kollegiale Beratung vor.
Insbesondere geht er ein auf ein Repertoire an "erlebnisaktivierenden" Methoden, die er aus dem Psychodrama
entlehnt und für die kollegiale Beratung adaptiert hat. Ein sehr inspirierendes und informatives Buch, das wir jedem
Trainer, der die Methode einsetzt, nur empfehlen können. Die hier vorgeschlagene Form der kollegialen Beratung
eignet sich jedoch nicht für Gruppen, die selbstorganisiert und ohne professionellen Moderator arbeiten wollen.
Die Fallbeispiele des Buches beziehen sich u.a. auf die Arbeit mit Führungskräften, Weiterbildnern und Ärzten.
Grundlagen
WACK, Otto Georg (1987): Praxis gemeinsam bewältigen. Zur Konzeption einer subjekt- und situationsorientierten Kursleiterfortbildung:
Eine Form der kollegialen Beratung speziell für Mitarbeiter in der Erwachsenenbildung, das am Soester Landesinstitut in einem Projekt entwickelt wurde. Ausgangspunkt war die Kritik an gängigen Konzeptionen zur Kursleiterfortbildung. Hier findet sich die ausführliche Darstellung dieses Konzeptes.
Grundlagen
WACK, Otto Georg (1993): Praxis gemeinsam bewältigen. In: ERWACHSENENBILDUNG, H. 2/1993, S. 83 - 86:
Kurzfassung zum Beitrag WACK 1987
Grundlagen
FALLNER, H. u. GRÄSSLIN, H.-M. (1990): Kollegiale Beratung. Eine Systematik zur Reflexion des beruflichen Alltags. :
Grundlagen
HAUG-BENIEN, R. (1998): Kollegiale Beratung:
Grundlagen
MUTZECK, W.: Kooperative Beratung. Weinheim 1996:
Grundlagen
PALLASCH, Waldemar (1991): Supervision. Neue Formen beruflicher Praxisbegleitung in pädagogischen Arbeitsfeldern. Winheim: Juventa:
Grundlagen
PALLASCH, W., MUTZEK, W. u. REIMERS, H. (Hrsg.) (1992): Beratung - Training - Supervision. Weinheim, Juventa:
Grundlagen
ROTERING-STEINBERG, Sigrid (1991): Das Modell “Kollegiale Supervision”. In: GdW-Ph., Systemstelle 9.20.40.1:
Grundlagen
SCHLEE, J. u. MUTZECK, W. (Hrsg.) (1996): Kollegiale Supervision. Modelle zur Selbsthilfe für Lehrerinnen und Lehrer. Heidelberg, Winter Universitätsverlag:
Grundlagen
SCHLEE, J./MUTZECK, W. (Hrsg.):Kollegiale Supervision. Heidelberg 1996:
Grundlagen
SPIESS, W. (Hrsg.): Die Logik des Gelingens. Lösungs- und entwicklungsorientierte Beratung im Kontext von Pädagogik. Dortmund 2000:
Grundlagen
Internet-Links
Internetlink Kollegiale Beratung
http://www.udena.ch/quintessenz2/Kollegiale-Beratung.pdf
Die wesentlichen Punkte bei der Kollegialen Beratung in Form einer übersichtlichen Handlungsanleitung
Praxishilfen
Internetlink Kollegiale Beratung
http://www.iwl-seminare.de/program.htm; http://www.iwl-seminare.de/s_eam.htm
Das Institut für wissenschaftliche Lehrmethoden bietet eine Fortbildung zum Kommunkationsexperten an, das sich an den Konzepten des Hamburger Psychologen Prof. Friedemann Schulz-von-Thun orientiert. Darunter u.a. eine Veranstaltung zum Thema "Methoden erlebnisaktivierender Praxisberatung in Gruppen", das sich an dem Buch Schul-von-Thun's orientiert.
Unternehmen
Internetlink Kollegiale Beratung
http://www.kollegiale-beratung.de
Homepage von Kim-Oliver Tietze, der sich auf die Durchführung von Kollegialer Beratung spezialisiert hat. Bietet eine guten Überblick u.a. zu verschiedenen Methoden, die in der KB eingesetzt werden können.
Unternehmen
Internetlink Kollegiale Beratung
http://paedagogik.homepage.t-online.de/ko_berat.htm
Ein umfangreicher Text zur kollegialen Beratung mit ausführlichen Literaturhinweisen.
Wissenschaftliche Beiträge
Internetlink Kollegiale Beratung
http://www.schulz-von-thun.de
Prof. Schulz-von-Thun ist sein kurzem mit einer eigenen Homepage im Netz. Bis jetzt gibt es hier zur kollegialen Beratung nur einen Hinweis auf sein Buch und auf Fortbildungsmöglichkeiten, aber wir vermuten, dass sich in Kürze nochmal ein Hinschauen lohnt.
Wissenschaftliche Beiträge
Experten
Otto Georg Wack, Landesinstitut für Schule und Weiterbildung
Prof. Friedemann Schulz von Thun, Universität Hamburg
Dr. Heinz Lehmeier
Dr. Ulrich Müller
Praxisbeispiel
Ein Programm für Nachwuchsführungskräfte, das wir für DaimlerChrysler entwickelt haben, umfasst insgesamt 13 auf 8 Monate verteilte Trainingstage (u.a. zu Führungsbasiswissen, Gesprächsführung, Führungssituationen und -instrumenten ...). Drei einzelne Tage, verteilt auf die gesamte Zeitspanne, treffen sich die Teilnehmer zur kollegialen Beratung. Jeder Teilnehmer hat hier die Gelegenheit, ein bis zwei Fälle aus seiner Führungspraxis einzubringen und sich durch die Kollegen unterstützen zu lassen. Gleichzeitig besteht hier die Gelegenheit, Themen aus den Seminaren praxisbezogen zu vertiefen. Nicht zuletzt erhalten die Teilneher Unterstützung bei ihrem Lernen in der alltäglichen Führungspraxis.
Die Fallbesprechungen werden anfänglich durch den Trainer moderiert, apäter durch die Teilnehmer selbst. Auf diese Weise ergibt sich eine zusätzliche Möglichkeit zur Übung von Moderationstechniken und Gesprächsführung unter Begleitung des Trainers und mit Feedback durch ihn bzw. die gesamte Gruppe.
Leitfaden
Ein mögliches Schema für den Ablauf:

0. Start
Erhebung der Anliegen, eventuell Auswahl, Festlegung der Reihenfolge, Klärung: Wer moderiert?

1. Orientierungsdaten
Der zu Beratende gibt eine knappe Darstellung der Rahmendaten: z.B. im Falle von Führungskräften: Organisationseinheit/Abteilung ..., Teamgröße und - zusammensetzung usw.; z.B. im Falle von Kursleitern: Institution, Fach/Thema, Teilnehmer (Alter, Geschlecht, Vorbildung ...), organisationbedingungen (Kurs, Zeit, Raum ...)

2. Darstellen der Situation
Der zu Beratende gibt seinem Anliegen oder "Fall" einen griffigen Namen. Er stellt die Situation konkret dar. Neben dem Erzählen ist es oft möglich, etwas vorzuspielen, als kleine Szene in kurzer Form darzustellen.

3. Klärungsabsichten
Der zu Beratende benennt seine Wünsche und Fragen an die Gruppe, konkretisiert seine Klärungsabsicht: "Womit will ich nach Hause gehen?"

4. Verstehen der Situation - Rückfragen
Die Gruppe versucht, die Situation zu verstehen. Sie stellt Rückfragen, entwickelt aber an dieser Stelle noch keine Lösungsvorschläge. (Achtung Moderator: Hier muss oft sanft, aber bestimmt eingegriffen werden: zu schnell sind viele mit ihren Vorschlägen bei der Hand!

5. Suche, Entwicklung und (und ggf. Erprobung)von Lösungsmöglichkeiten
Die Gruppe sucht gemeinsam nach Möglichkeiten, wie in der Situation gehandelt werden könnte. Dabei geht es zunächst um Vielfalt von Vorschlägen, erst später um Auswahl. Wo möglich und sinnvoll, können Vorschläge auch angespielt werden (z.B. eine kurze Sequenz aus dem Mitarbeitergespräch)

6. "Was wir gelernt haben"
Der zu Beratende fasst die wichtigsten Anregungen für sich und die Gruppe noch einmal zusammen. Vielleicht benennt er erste Schritte, die er unternehmen will. Anschließend halten auch die anderen fest (ev. in ihrem Lerntagebuch), was sie für sich aus der Beratung des Kollegen lernen konnten.
Autoren 18.06.2001 - Ulrich Müller
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