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Suggestopädie
Lexikon Lexikon: Kurzbeschreibung | ausführliche Darstellung | Literatur | Internet-Links
So gehts So geht's:

Kurzbeschreibung
Suggestopädie ist eine ganzheitliche Lehrmethode, die besonderes Augenmerk auf einen entspannten Lernzustande, spielerisches Lernen und die Überwindung mentaler Lernbarrieren legt. Sie ist auch bekannt unter dem - etwas irreführenden - Namen "Superlearning". Suggestopädie hat v.a. im Bereich des Fremdsprachen Lernens Verbreitung gefunden.

Ausführliche Darstellung
Die Suggestopädie wurde begründet von dem bulgarischen Arzt und Psychotherapeuten Prof. Dr. Georgi Lozanov. Losanov untersuchte das Phänomen der Suggestion und entwickelte Methoden, um die Wirkung von Suggestionen für das Lernen fruchtbar zu machen. Losanov ging aus von der Annahme, dass Menschen über ein enormes natürliches Lernpotenzial verfügen.

Suggestopädie wurde auch beschrieben als "Pädagogik der kreativen Vorschläge": Suggestopädie will Menschen ein vielfältiges Angebot machen (engl. "suggestion" = "anbieten, vorschlagen"), das ihnen viele Wahlmöglichkeiten für ihr Lernen eröffnet und ihnen so hilft, ihr ganze Lernpotenzial auszuschöpfen.
Nicht jeder Mensch ist mit jedem Vorschlag zu erreichen, daher sollte es das Bestreben von Lehrenden sein, "jedem das Seine" oder "für jeden etwas" anzubieten (= Vielfalt).

Ziele
- Lernfreude wecken
- Effektivität steigern
- mentale und psychische Gesundheit fördern
- Gedächtniskapazität erhöhen

Lernbarrieren und Desuggestionen
Im Laufe ihrer Sozialisation und individuellen Lerngeschichte erwerben Menschen Vorstellungen über ihre eigenen Potenziale und Möglichkeiten. Häufig sind diese einschränkender Natur: "Ich konnte noch nie Fremdsprachen lernen. Das ist einfach nichts für mich".
Die Suggestopädie will Menschen helfen, solche negativen Voreinstellungen zu überwinden.

Prinzipien
- Lernfreude wecken
- Lernen als Angebot
- Lernen im Zustand entspannter Konzentration
- spielerische Aktivitäten
- multisensorisches Lernangebot
- den ganzen Menschen ansprechend: Körper, Geist, Gefühle
- Nutzung positiver Suggestionen
- Rhythmisierung: Wechsel von passiv-rezeptiven und aktiv-verarbeitenden Phasen
- bewusste Raumgestaltung

Suggestopäden streben ein Lernen mit Freude in einem entspannten Zustand an.

Methoden
Der Grundaufbau von Lerneinheiten folgt dem "suggestopädischen Kreislauf":
1. Centering (= Ankommen und Konzentration, Entspannung)
2. Vorstellung des Lernstoffes
3. aktives Lernkonzert (klassische Musik, lebhafter dramatischer Vortrag einer Geschichte, in der der Stoff "verpackt" ist; Mitlesen der Lernenden ...)
4. passives Lernkonzert (Barock- oder Entspannungsmusik, ruhiger Vortrag, Wiederholung z.B. von Vokabeln ...)
5. Übung des Lernstoffes (z.B. spielerisches Vokabeltraining via "Memory" ...)
6. Anwendung (z.B. durch Rollenspiele ...)
7. Integration (nochmalige Zusammenfassung, Wiederholung der wichtigsten Aspekte ...)

Spezifische Methoden sind insbesondere die Lernkonzerte. In den aktivierenden Lernphasen ist Suggestopädie eklektizistisch und nutzt eine Vielzahl bewährter methodischer Verfahren sowie Anregungen ganz unterschiedlicher Konzepte.
Durch die Nutzung von Metaphern, Geschichten, sensorischer "Anker" etc. besteht eine relativ große Nähe besteht zum NLP.

Suggestopäden achten besonders auf unterschwellige Einwirkungen, wie sie z.B. von der Raumgestaltung, der Wortwahl bei Texten, der Sprachmelodie, dem Auftreten und der Kleidung des Lehrenden ausgehen.

Zur Rolle der Musik
Musik spielt im Konzept der Suggestopädie eine zentrale Rolle. Sie kann helfen, die Lernenden in einen entspannten Zustand zu versetzen, die Phantasie anzuregen und angenehme emotionale Zustände hervorzurufen.
Zum Einsatz kommen v.a. Largo-Sätze aus barocken konzertanten Werken (z.B. Violinkonzerte von J.S. Bach, Pachelbels, Kanon usw.) und Entspannungsmusik (z.B. Deuter) mit einer Schlagzahl von ca 60/Minute oder darunter, wodurch eine entspannende Wirkung unterstützt wird, und Allegro-Sätze aus klassischen Werken (z. B. Klavierkonzerte von W.A. Mozart). Darüber hinaus werden Lieder und Chants eingesetzt, auch zum Mitsingen, wodurch "Anker" gesetzt werden können.
Der zentrale Einsatzort von Musik sind die sogenannten "Lernkonzerte", bei denen zur Musik Lerntexte vorgetragen werden.

Zur Rolle von Entspannung
Stress und Angst wirken sich auf die Lernleistung von Menschen sehr ungünstig aus. Durch negative Lernerlebnisse (z.B. ironische Bemerkungen von Lehrenden, vernichtende Kritik, "fertig gemacht werden ...") in ihrer Kindheit bilden viele Menschen eine hohe Grundspannung aus, sobald sie sich im typischen Setting v.a. schulischer Lernsituationen befinden (besonders z.B.: "aufgerufen" werden, an der Tafel stehen und etwas vormachen, vor der Klasse etwas vortragen oder ausgefragt werden ...).
Die Suggestopädie vermeidet zum einen grundsätzlich solche Situationen und baut das äußere Setting in Veranstaltungen gänzlich anders auf (Stuhlkreis statt frontale Bestuhlung, keine Tische, keine Tafel, spielerische Materialien, Blumen zur Begrüßung ...), setzt zum anderen gezielt Entspannungsverfahren ein, um den Lernenden eine Brücke zu einem ressourcenreichen Zustand zu bauen.

Zur Rolle der Lehrenden
Die Lehrenden spielen in der Suggestopädie eine sehr wesentliche Rolle. Sie sind im "Vermittler", nämlich nicht nur von kognitiven Inhalten, sondern auch von emotionalen Zuständen bzw. Koppelungen. Der Sprachlehrer repräsentiert in seiner Art auch die Sprache selbst, er wird in gewisser Weise zum Sinnbild für die Sprache. Körperpräsenz, Sprachmelodie, der Umgang mit den Lernenden, die ganze Art des Auftretens ... all das wirkt auf die Lernenden - lernfördernd oder hemmend.

Einsatzfelder
Suggestopädie wurde ursprünglich im Bereich des Fremdsprachen-Lernens entwickelt und hat hier immer noch seine Domäne. In der Weiterbildung gibt es auch viele Ansätze in den Bereichen Verkaufstraining, Computerqualifizierung und technische Ausbildung. Allerdings hat die Methode hier nicht im gleichen Maße Verbreitung finden können.

Wirkungen
Suggestopädie wurde im Westen zunächst in den USA, später in Europa unter dem Namen "Superlearning" bekannt. Dabei wurde vor allen Dingen die hohe Lernleistung herausgestellt, in den ersten Veröffetnlichungen z.T. allerdings maßlos übertrieben.
Tatsächlich konnte in verschiedenen Untersuchungen eine höhere Lernleistung festgestellt werden, in anderen jedoch auch nicht. Tendenziell zeigten sich Vorteile v.a. durch eine höhere Motivation und bessere Umsetzungsleistungen.
Aufgrund methodischer Probleme eignen sich allerdings die vorliegenden empirischen Belege nur bedingt für den Nachweis einer generellen Überlegenheit der Methode. Nicht zuletzt stellt sich die Frage: Womit wird verglichen? Z. B. nutzt guter moderner Fremdsprachenunterricht konventioneller Herkunft inzwischen viele Methoden, die auch in der Suggestopädie eingestzt werden.
Suggestopädie sollte jedoch nicht ausschließlich unter dem Gesichtpunkt Steigerung der Lernleistung beurteilt werden.

Für Lehrende in der Schule und Trainer in der Weiterbildung ist eine Auseinandersetzung mit der Methode auf jeden Fall lohnend. Suggestopädie sensibilisiert für unterschwelligen Wirkungen auf Teilnehmer, inspiriert zu kreativem, spielerischen Arbeiten - und macht einfach Spaß.



Literatur
Katja Riedel: Persönlichkeitsentfaltung durch Suggestopädie. Suggestopädie im Kontext von Erziehungswissenschaft, Gehirnforschung und Praxis. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler, 292 S., 2. Auflage 2000:
Allgemein
Katja Riedel: Suggestopädie in Ost und West. Wurzeln - Menschenbild - Akzeptanz. Schneider Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler, 543 S., 1. Auflage 2001:
Allgemein
RIEDEL, Katja: Musik in der Suggestopädie. In: Ertle, Christoph; Flechsig, Hartmut (Hrsg.): Ganz Ohr, ganz Auge. Neue Zugangswege zu musikalischen Bezugsfeldern in Schule und Lebenswelt. Schneider Verlag, Hohengehren 1997 (S. 145 - 163):
Allgemein
SCHIFFLER, Ludger: Suggestopädie und Superlearning - empirisch geprüft. DiesterwegVerlag, Frankfurt 1989:
Allgemein
SKILL-AUTORENTEAM: Kreativ lehren und lernen. GABAL / Jünger Verlag, Offenbach 1995:
Anwendung
SENSENSCHMIDT, Bernd: Bio-logisch lernen. Beispiele für den suggestopädisch gestalteten:
Anwendung
HINKELMANN, Gunhild und Klaus, FERREBOEUF, Martine: Leichter lernen. Leitfaden für den Unterricht mit Superlearning und Suggestopädie. PLS Verlag, Bremen 1989:
Anwendung
DGSL: Lernen ohne Grenzen. Suggestopädie: Stand und Perspektiven. Hg. v. I. Conrady, M. Haun-Just, B. von der Meden. GABAL Verlag, Bremen 1993:
Einführung
DHORITY, Lynn: Moderne Suggestopädie. PLS Verlag, Bremen 1986:
Einführung
BAUR, Rupprecht S.: Superlearning und Suggestopädie. Grundlagen - Anwendungen - Kritik - Perspektiven. Langenscheidt Verlag, München 1990 :
Grundlagen
WAGNER, Hartmut: VIOLA - Musik für lebendiges Lernen. PLS Verlag, Bremen 1993:
Methodensammlung
DGSL: Wer trainiert Suggestopädie. Die Trainer und Trainerinnen im deutschsprachigen Raum. Hg. v. G.Heidenhain, H. Roth, H. Wagner. Junfermann Verlag, Paderborn 1995:
Überblick
Internet-Links
Internetlink Deutsche Gesellschaft für suggestopädisches Lehren und Lernen e.V.
http://www.dgsl.de
Die DGSL ist der offizielle Verband der Suggstopäden in Deutschland. Die Homepage informiert u.a. über Ausbildungsmöglichkeiten.
Dachverband
Internetlink PLS Lernstudio München
http://pls-lernstudio.com/index.htm
Ein Anbieter von Sprachkursen auf suggestopädischer Basis. Interssant u.a.: kurzgefasste Statement namhafter Wissenschaftler zur Suggestopädie (u.a. Prof. Mandl, München).
Praxisbeispiele
Internetlink Zentrum für Suggestopädie in Reutlingen
http://www.ilisa.de
Dr. Katja Riedel hat eine schöne Homepage eingerichtet, auf der sie viele Informationen zum Thema Suggestopädie anbietet, u.a. beschreibt sie ausführlich die Grundannahmen und einzelne Methoden (Entspannung, Energieaufbau, Lernkonzerte ...) der Suggestopädie.
Unternehmen
Internetlink Lernwelt Suggestopädie
http://www.suggestopaedie.de
Ein Netzwerk suggestopädischer Trainer. Die Homepage bietet u.a. Informationen über Ausbildungsmöglichkeiten und eine umfangreiche Linkliste.
Unternehmen
Internetlink Skill GmbH
http://www.skill-office.de
Die Skill GmbH ist ein Seminaranbieter zum ganzheitlichen Lernen. Skill wurde 1988 von Hartmut Wagner gegründet und ist einer der ältesten und bekanntesten Anbieter von Ausbildungen zum Suggestopädischen Lernen
Unternehmen
Autoren 23.05.2002 - Ulrich Müller
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