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Real Time Strategic Change (RTSC)
Lexikon Lexikon: Kurzbeschreibung | ausführliche Darstellung | Literatur | Internet-Links
So gehts So geht's: Praxisbeispiel

Kurzbeschreibung
RTSC (Real Time Strategic Change) ist ein großgruppenbasiertes Verfahren für schnellen Wandel, das an Motivation, Gemeinschaft ebenso wie Strategie, Struktur und Prozeß ansetzt (Jacobs/Mc Keown 1999:298). Das Verfahren RTSC wurde von Kathy Dannemiller und Chuck Tyson, Al Davenport und anderen entwickelt und später mit dem Kollegen Robert Jacobs weiterentwickelt. Ein zentrales Charakteristikum ist, dass RTSC von Unzufriedenheit als Hebel für Veränderung ausgeht (Dannemiller/James/Tolchinsky 1999:207).

Ausführliche Darstellung
RTSC zählt zu den Großgruppenverfahren im Kontext systemischer Beratung. Es zielt darauf ab, viele Menschen gleichzeitig einzubeziehen und damit simultanen Wandel zu ermöglichen. RTSC arbeitet mit sehr großen TeilnehmerInnenzahlen (bis zu 5.500 TN). Im Spektrum der Großgruppenverfahren lässt sich RTSC als problem- und informationsbasierten Ansatz kennzeichnen. Auf der Grundlage umfassender Information soll ein direkter und rascher Dialog über die Vision und die Ziele stattfinden. Indem die Betroffenen »aufgerüttelt werden« durch eine gemeinsame Informationsbasis und die Problematisierung der Zukunft als riskanter Zukunft, soll Verantwortung über Bereichsgrenzen hinaus entstehen. Das Problemszenario umfasst auch die Reflexion der unausgesprochenen hinderlichen Spielregeln und Tabus. Sie werden explizit im Design adressiert. Von ihnen ausgehend werden die positiven Zukünfte, ihre Wege und ihre Wertebasis entworfen. Während andere Verfahren Hierarchie im Ablauf nicht repräsentieren, setzt RTSC sehr explizit auf die Entscheidungsrolle der Führung und kommuniziert dies auch symbolisch. Ähnlich wie andere Großgruppenverfahren zielt RTSC ab,. das ganze System einzubeziehen. Erfolgsbedingung ist - ähnlich wie für die anderen Verfahren -, dass die Themen wichtig sind für die Organisation, dass schneller Wandel erwünscht ist, die Führungsspitze offen ist für die Zukunft der Organisation und dazu bereit ist, mit Menschen aller Ebenen der Organisation Macht zu teilen (Jacobs/Mc Keown 1999:299). Dannemiller und Kollegen entwickelten RTSC zum »Whole Scale« Ansatz weiter, der sich auf alle Arten von Veränderungsprozessen bezieht: Whole Scale ist für strategische Planung, Organisationsdesign, Fusionen und Zukäufe, Qualitätsmanagement, Reengineering, Training und Kulturwandel geeignet und findet im öffentlichen Sektor ebenso Anwendung wie in der Privatwirtschaft.

RTSC-Konferenzen werden überwiegend in Gruppengrößen zwischen 40–600 TN durchgeführt und dauern in der Regel 2-3 Tage. Laut Selbstverständnis führt RTSC von direktiven zu partizipativen Organisationskulturen. Es werden daher grundsätzlich auch Macht- und Autoritätsdynamiken berührt und die Basisannahmen der Organisation über Macht und Autorität kommen ans Tageslicht. RTSC versteht sich als »Trainingsraum« für innovatives Führungsverständnis, für Partizipations- und Wahlmöglichkeiten. Wie bei anderen Verfahren auch, müssen insbesondere die Führungskräfte angemessen auf die RTSC-Intervention vorbereitet werden, indem ihnen ein Grenzen überschreitendes Leitbild vermittelt wird und der Nutzen einer gemeinsamen Datengrundlage klar wird (Dannemiller/James/Tolchinsky 1999:209).

Weitere Informationen: Großgruppenverfahren im Überblick (pdf-Dokument, 34 kB)
Literatur
Zur Bonsen, Matthias (2002): Real Time Strategic Change. Stuttgart. Klett Cotta:
Allgemein
Bunker, Barbara Benedict; Alban; Billie, T. (1997): Large Group Interventions. Engaging the Whole System for Rapid Change. San Francisco:
Allgemein
Dannemiller, Kathleen D.; James, Sylvia; Tolchinsky, Paul D. (1999): Whole Scale Change in: Holman, Peggy; Devane, Tom: The Change Handbook. Group Methods for Shaping the Future, San Francisco, p. 203–216:
Allgemein
Holman, Peggy; Devane, Tom (2002): Change Handbook. Zukunftsorientierte Großgruppen-Methoden. Carl Auer Systeme Verlag. Heidelberg:
Allgemein
Jacobs, Robert W.; Mc Keown, Frank (1999): Real Time Strategic Change in: Holman, Peggy; Devane, Tom: The Change Handbook. Group Methods for Shaping the Future, San Francisco, p.295-312:
Allgemein
Königswieser, Roswitha; Keil, Marion (2000): Das Feuer der großen Gruppen. Konzepte, Designs, Praxisbeispiele für Veränderungsmanager. Stuttgart:
Allgemein
Internet-Links
Internetlink Dannemiller Tyseon Association
http://www.dannemillertyson.com
Unternehmen
Internetlink Ausbilder für Großgruppenverfahren Dr. Matthias zur Bonsen
http://www.all-in-one-spirit.de
Unternehmen
Praxisbeispiel
Praxisbeispiel: Internationales Postzentrum Flughafen Frankfurt. (Video zu beziehen über Dr. Matthias zur Bonsen bzw. Neuland Video)
Die TeilnehmerInnen sollen den repräsentativen Querschnitt der Organisation abbilden. Neben internen Mitgliedern nehmen VertreterInnen wesentlicher externer Anspruchsgruppen (insbesondere Kunden) teil. Interaktive Kleingruppen arbeiten an Tischen à 7-8 Personen, die nach dem Kriterium maximaler Mischung organisiert sind. In Form informationsbasierter Inputs wird sowohl eine Umweltanalyse als auch eine interne Analyse durchgeführt. Geplante Inputs geben die erforderliche Informationsbasis, um sinnvolle Strategien entwickeln zu können. Die Gruppenstruktur an den Tischen soll die Menschen mit anderen Menschen außerhalb ihres normalen Bezugsrahmens in Kontakt bringen. Die Teilnehmenden werden ermutigt, die unterschiedlichen Perspektiven zu erkennen und zu würdigen. Auf diese Weise wird der Mikrokosmos der Organisation an jedem Tisch repräsentiert. Es steigt die Fähigkeit der Organisation, als Ganzes zusammenzuarbeiten, da jeder Tisch zu einer effektiv arbeitenden Arbeitsgruppe wird. Um einen Paradigmenwandel zu erzielen, muss eine gemeinsame Datengrundlage erzeugt werden und müssen die richtigen Fragen gestellt werden. Damit lässt sich das Verfahren als zwar stark strukturierend, aber wenig standardisiert in seinem Ablauf kennzeichnen. Idealtypisch lassen sich Kernelemente einer RTSC Veranstaltung folgendermaßen abbilden:




Die Autorin Dr. Susanne Weber arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erziehungswissenschaft der Philipps-Universität Marburg. Ihre Tätigkeitsschwerpunkte sind Sozialmanagement, Organisationsentwicklung in sozialen Einrichtungen und Internationale Organisationen (Link zur Homepage).

Autoren 14.07.2003 - Susanne Weber
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