Lernen wird häufig noch verstanden als ein schulisch oder schulähnlich organisierter Prozess, dem sich vor allem Kinder und Jugendliche zu "unterwerfen" haben und bei dem es vor allem um den Erwerb eines bestimmten, fest vorgegebenen Wissens geht.
Neues Lernverständnis
Der Neuen Lernkultur liegt ein verändertes Lernverständnis zugrunde:
Lernen ist niemals abgeschlossen und daher eine lebenslange Aufgabe;
Lernen findet nicht nur in organisierten, institutionalisierten Zusammenhängen statt, sondern gerade auch in der alltäglichen Lebenswelt;
gerade dieses informelle, nicht bzw. selbstorganisierte Lernen bietet weitreichende Potentiale;
Lernen ist ein ganzheitlicher Prozess. Es geht um Wissen, Haltung und Können, oder - mit alten bekannten Worten: um Kopf, Herz und Hand;
Die Verantwortung für dieses lebenslange Lernen unter der Perspektive der Lebensspanne muss tendenziell weitgehend beim lernenden Subjekt selbst liegen. Wer, wenn nicht der jeweilige Mensch selbst, sollte die Verantwortung für sein ein ganzes Leben lang währendes Lernen übernehmen?
In organisierten Lernprozessen muss Selbstverantwortung so weit als möglich eingeräumt werden. Allerdings: Selbstverantwortung ist auch eine "Zumutung" - daher muss zum selbstverantworteten Lernen durch geeignete Übergangsformen hingeführt werden;
Menschliches Lernen ist ein eigenaktiver und konstruktiver Vorgang;
es erfordert eine permanent fragende Grundhaltung;
bei Lernprozessen ist die Frage nach dem Sinn des zu Lernenden zu stellen und offen zu halten: Was will ich wirklich? Was brauche ich wirklich, um eine bestimmte Situation zu bewältigen? Welche Bedeutung hat ein zu Lernendes für mein Leben oder das Leben anderer Menschen?
Lernen sollte sich an einer ethischen Grundlage orientieren: Welche Werte sollen mein Handeln leiten? Welche Grenze muss ich berücksichtigen? Was darf ich überhaupt?
Lernen muss daher notwendig selbstreflexiv sein, also ein Nachdenken über das Lernen selbst beinhalten.
Theoretische Orientierungen
Die theoretische Begründungen für das hier nur kurz skizzierte veränderte Lernverständnis lassen sich finden in den klassischen Bildungstheorien, den Ansätzen einer humanistischen Pädagogik und in neueren konstruktivistischen Ansätzen.